Murg bei Baiersbronn, Pfingsten 2017

Tripp zur Murg über Pfingsten

Zurück zur Murg, für ganze drei Tage. Nach den zweifelhaften Erfahrungen in der letzten Saison stattete ich im Mai 2017, über Pfingsten, erstmals einen Besuch an meinem Lieblingsfluss ab. Mein Fliegenfischenkumpel Bernard aus Frankreich war schon ein, zwei Wochen vor mir dort und berichtete mir schon von geänderten Randkriterien für die Fischerei und auch von einer wundersamen Genesung des Mittelgebirgsflüsschens.

Den schlechten Eindruck den der Fluss letztes Jahr hinterließ war wohl nicht subjektiv, denn rein fischereiwirtschaftlich hat sich einiges getan bzw. geändert. Die Tageskarte kostet mit 40 Euros nun einen Zehner mehr als die Jahre zuvor und schlägt mit 20 Euro Pfand pro Tag demnach mit satten 120 Euro für drei Tage fischen auf die Flyfishing-Kasse, schon ein ordentliches Sümmchen wenn man bedenkt dass die Rückgabe der Scheine nur noch in der Tourismusinfo in Baiersbronn möglich ist. Und die Öffnungszeiten hier decken sich nicht wirklich mit der angelfreien Zeit, schließlich will man ja seinen Tag am Wasser und nicht an einem Serviceschalter der Baiersbronn Touristik verbringen. Meine Gastgeberin Frau Müller vom Müllers Löwen in Schwarzenberg war so frei das „Pfandbusiness“ für mich zu erledigen, vielen Dank hierfür. Erfreulicher neben all dem Lizenzkram ist jedoch die Reglementierung der Scheinausgabe pro Tag und Jahr, es werden nur noch ingesamt 250 Karten pro Jahr, maximal 10 Karten am Tag ausgegeben. Zusätzlich der Beschränkung der Scheinvergabe sind von den acht zu befischenden Zonen drei dauerhaft für die Fischerei gesperrt, leider auch der Abschnitt an dem ich meinen bisher größten Fisch für wenige Sekunden eindrucksvoll an der Leine hatte. Knall, weg. Diese umfassenden Rettungsmaßnahmen zeigen wohl schon Wirkung, denn unsere fischigen Freunde sind wieder da und ihnen geht’s gut. Natürlich weiß man nicht was sich im Hintergrund der Murgtal-Politik so abspielt, denn ein kränkelnder Fluß wird nicht allein durch einen höheren Kartenpreis, einer Regulierung des durchschnittlichen Befischungsdrucks und Sperrungen von Teilstrecken für den Touri-Fliegenfischer von außerhalb wieder gesund, aber irgendwie hat die Murg  die Kurve gekriegt und machte einen frischen und lebendigen Eindruck auf mich.

Wunderschöne Fario

Steiniger Abschnitt, Standplatz meines speziellen Freunds

Stephen im Regen

Black Forest at its best!

Wild und frei

Gezwungenermaßen fischte ich in den drei Tagen an meist unbekannten Abschnitten und entdeckte so neue, wirklich wunderschöne Pools, Rieselstrecken, Wehre und ein sehr steiles, fast wasserfallartiges Gefälle, das in eine zerklüftete Unterwasser-Felsformation mündete. Für kletterunwillige Fischer kaum zu erreichen. Da mein Tripp nun schon ein bisserl zurückliegt und die Erinnerungen einem Konglomerat an Wettereindrücken, Flussläufen und Drills entsprechen, versuche ich es mal zusammenzufassen und ein kleines Highlight zu skizzieren. Ich fischte im Regen, unter wolkenverhangenem grau und bei strahlend blauem Himmel, in knöcheltiefen Flussläufen mit riesigen Steinen im Wasser und metertiefen Pools. Viele Abrisse und erste Ermüdungserscheinungen in meinen Vorfachmaterial führten leider zum Verlust vieler Fliegen. Meine Forellen fing ich auf Trockene, Nymphe und Woolly Bugger, auf letzteres Muster vor allen in einem fast stillstehenden Pool direkt hinter einem tosenden Wehr in den Abendstunden. Wie auch beim vorletzten Besuch zeigten sich die Farios äußerst misstrauisch und waren nicht leicht zu überlisten, ich glaube mit einer ausgefeilteren Präsentation ist definitiv mehr zu erreichen. Kann mich eigentlich kaum beschweren, aber für meinen Kumpel Stephen der an Tag Zwei dazustoß, verlief der Tripp etwas fangfreudiger. Muss ihn demnächst mal wieder über die Schulter schauen, aber ich tat mich an manchen Ecken sichtlich schwerer und kämpfte auch zu oft mit einer frustrierenden weil immer wieder unschön abrollenden Flugschnur. Verstehe ich nicht: Ich werfe aus meiner Sicht eine gute enge Schlaufe mit einem angeknoteten gezogenen Vorfach, meist 9ft mit 5X Spitze…und was passiert, die Fliege setzt oft ca einen Meter neben der Flugschnur aufs Wasser. Vielleicht (wahrscheinlich) hat sich ein kleiner Wurffehler in meiner Technik eingeschlichen, vielleicht ist auch meine Leine plus das Vorfachmaterial am Ende oder meine Konzentration war in diesen Momenten woanders, ich hab keine Ahnung.

Davon aber abgesehen war es ein insgesamt gutes und vor allem abwechslungsreiches Fliegenfischen-Wochenende. Stundenlang nichts als Natur, rauschende Murg um einen rum, phasenweise konzentriertes fokussieren auf eine Fario die ihren Standplatz preisgegeben hat – und eine ist mir in besonderer Erinnerung geblieben. Ich entdeckte sie flussaufwärts beim durchwaten eines von großen Steinen geformten Abschnitts. Im knöcheltiefen Wasser stand sie vielleicht sieben Meter vor mir entfernt. Ein Wunder dass sie mich nicht sah, ich tippe aber mal auf ein durchs Flachwasser eingeschränktes Sichtfeld farioseits. Jedenfalls biss ich mir an ihr die Zähne aus, präsentierte ihr sicher 7-8 verschiedene Muster an Trockenfliegen. Emerger, Palmer, Caddies und Rehhaar-Sedges, Duns, kleine, große, braune, grüne, keine Reaktion sondern gepflegte Ignoranz. Seltsamerweise lief hier die Präsentation übrigens immer 1A, die Fliegenmuster setzten immer am gut abgerollten Vorfach ca eineinhalb Meter sanft vor ihr auf und trieben schön entspannt entweder direkt über sie oder max 30cm links oder rechts an ihr vorbei. Null Reaktion, noch nicht mal ein kurzes abchecken der Fliege. Zweimal nahm sie sogar direkt neben meiner künstlichen Fliege echte Nahrung direkt von der Wasseroberfläche auf, wenige Zentimeter von meinem Muster entfernt, kaum zu fassen. Und nach einer guten halben Stunde war es dann auf einmal soweit: Ein kleines unscheinbares hellgraues Eintagsfliegenmuster wurde von ihr plötzlich attackiert…eine wunderschöne wilde Fario, die hoffentlich immer noch an ihrem Standplatz steht und noch ein bisserl zugelegt hat. Immer wieder erstaunlich: Die tatsächlich vergangene Zeit in solchen vom Jagdinstinkt beherrschten Momenten ist im Grunde nicht spürbar, eine halbe Stunde kann einen ganzen Fliegenfischentag ausfüllen.

Summa summarum erscheint mir die Murg auf gutem Wege. Es wurde auf die Entwicklungen der letzten zwei Jahre reagiert und auch die Fische scheinen wieder lebendig geworden zu sein. Ich freu mich schon auf meinen nächsten Tripp, wäre toll wenn ich es dieses Jahr noch einmal schaffe.

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