Der Glan und die Zwerge

Ich machs kurz – ich war heute am Glan bei Lauterecken, wollte eigentlich einen schönen Fliegenfischen-Sonntag erleben. Aber die Einheimischen und der Fluß machten mir einen Strich durch die Rechnung.

Gegen die Natur konnte ich nichts ausrichten: Nach mehreren Tagen starken Regens war das Wasser sehr eingetrübt (die maximale Sichtweite lag bei wenigen Zentimetern) und führte auch recht viel Wasser für einen Flußlauf dieser Ordnung. Was die Fischerei besonders erschwerte waren die großen Steinbrocken links- und rechtsseitig des Glan, kenne ich eigentlich nur vom Rhein direkt bei mir vor der Haustür.

Neben der unmöglichen Fischerei waren es aber die netten Begegnungen mit den Einheimischen vor Ort, die mir den Tag vermiesten. Ich will hier niemanden diffamieren, aber die haben da echt ein Problem mit „Fremden“ oder sind in ihrer Gastfreundlichkeit und Offenheit gegenüber von außerhalb kommenden ein wenig unbeholfen. Ich will ja nicht ablästern, aber der mir begegnete Dörfler dort zeichnete sich durch Fremdenangst, Skepis, großes Maul, Patzigkeit und Engstirnigkeit aus. Ich hatte unabhängigerweise mit fünf Leuten zutun (zugegebenermaßen sind mir deren Verwandtschaftsgrade untereinander gänzlich unbekannt) die mich alle ohne Zweifel loswerden wollten. Es ist ein Fremder im Dorf…uuuhh, bloß nicht vor meiner Haustür.

Es folgen ein paar wilde Gesprächsfetzen aus mehreren hitzigen Dialogen, mit denen ich mich innerhalb einer guten Stunde so rumschlagen durfte: „Was machen Sie denn da? Ähh…parken.“. „Der Bürgersteig gegenüber meines Hauses ist Parkverbot“. Oder auf der Wiese: „Sie dürfen hier nicht angeln! Ihre Daten! Anschrift, Name!“ Schein gezeigt, gefragt wer der nette Kontaktmensch da denn ist und ob er überhaupt kontrollieren darf. „Den Schein nehm ich jetzt mit!“, na aber nicht mit mir. „Die Begehungsrechte für die Wiese gelten für sie erst ab der Gleisüberquerung“. Zudem war das meine erste Kontrolle im Leben, unfassbar. Situationswechsel, woanders, auch gut, Frau stürmt aus dem Inneren ihres Gartenzwergbunkers zur Haustür an ihrem Mann vorbei, noch kein Wort mit mir gewechselt, und blafft mich an: „Ich ruf jetzt an!“. „Guten Tag. Ja wen jetzt genau?“, „Die Polizei!“. Ach du meine Güte, so ernst gleich? Und der beste Spruch des Tages: „Sie kommen aus Mainz (hatte ich ihr vorher erzählt), warum bleiben sie denn nicht in Mainz?“. Diese Frage war nicht rhetorisch, wohlgemerkt. Ich glaube die Dame, die da aufgeblasen in ihrem Türrahmen stand, mit dem Telefon drohend fuchtelnd, suchte in ihrem Kopf nach einer plausiblen Erklärung für meinen Tripp in ihr Dorf. Oder besser für meinen Tripp aus meinem Dorf raus. Warum tun Menschen nur sowas?

Die bewachen ihre Gassen, haben ihre eigenen kleinen Regeln…und bringen ihren lieben Zottelhund doch tatsächlich, straff gehalten am Halsband, mit zur Haustür als wärs ein scharfer Kampfhund der sich sogleich zähnefletschend auf den Fremdling stürzt wenns Frauchen nur den Befehl dazu gibt. Zum Äußersten bereit. Peinlich peinlich alles. Astalavista, begradigter Glan.

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